Es kann einem geradezu körperliches Unwohlsein bescheren, wenn man gezwungen ist, Tag für Tag den Beweis vor Augen zu haben, dass man eben nicht Albrecht Dürer ist, der angeblich frei Hand einen perfekten Kreis samt Mittelpunkt zeichnen konnte.
Der Anblick der Umrahmung, die ich kurz nach dem Streichen in mehreren ermüdenden Runden um das einsame Goldornament an der Decke des großen Behandlungszimmers gepinselt hatte, zwickte mich nach kürzester Zeit in dem Winkel des Gehirns, der wohl für Perfektionismus zuständig ist, auch wenn freundlich gesonnene Kunden dem eigenwilligen Kunstwerk den Charme des Unperfekten bescheinigten.
Da ich ohnehin schon gewaltig im Stuckfieber bin, habe ich nun vollends alle Register gezogen und die Kreise durch die zweitgrößte Rosette ersetzt, derer ich habhaft werden konnte. Ab jetzt liegen Sie bei der Kosmetikbehandlung also unter dem federleichtesten „Kronleuchter” der Welt…

PS: die Kreise sind immer noch da, aber unter dem Stuck…